Fastnacht

Riedlingen / Donau

Biberach a. d. Riß

Baden-Württemberg

Deutschland - Germany

Dieses Jahr

24.02.2022 (Donnerstag vor der Fastnacht = Weiberfastnacht), 01.03.2022 (Fastnachtsdienstag)

Nächstes Jahr

16.02.2023 (Donnerstag vor der Fastnacht = Weiberfastnacht), 21.02.2023 (Fastnachtsdienstag)

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Geografie

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Ort

Riedlingen / Donau

Kreis

Biberach a. d. Riß

Region

Baden-Württemberg

Staat

Deutschland - Germany

Beschreibung


Wenn am Abend vor dem "Auselige Donnerschdig" die Kinder laut ihr "Raus mit dem Gole, raus mit dem Gole" rufen, gehen sie einem alten Brauch nach. Das traditionelle Narrenbaumsetzen findet am "Auseligen Donnerstag" statt, am Dienstag das Froschkuttelnessen, die Polonaise durch den Ort, der Umzug und abends das Fasnetsverbrenne.

Maskenfiguren:
Die Glattlarve der Kupfernäs hat ein dunkelbraun bemaltes Gesicht mit roter Nase. Da nichts über das Häs dieser Figur bekannt ist, entwarf man in den letzten Jahren das heutige Gewand: gebauschte lange Hose, längs gestreift in Gelb und Grün, gelber Kittel und grüne Larvenhaube mit Quastenabschlüssen. Auf dem Kopf sitzt ein Dreispitz, um den Leib trägt die Kupfernäs einen Ledergürtel mit kupferfarbenem Geschell. Eine Geißel mit Saubloder gehört ebenfalls zur Ausstattung.
Der Urgole (ein "Goldener Kopf" war sein Vorgänger) heißt Gelbsucht, und sein Gesicht zeigt asiatische Züge: gelbe Hautfarbe, starke Backenknochen, niedere Stirn und schwarzer Bart. Auf ihrem 70cm großen Kopf aus Pappmaché trägt die Gelbsucht einen mit gelb-grünen Ornamenten geschmückten Helm. Wegen der Größe dieses Kopfes muß der Träger durch den Mund sehen. Als Häs dienen ihm ein gelb-brauner Waffenrock mit Gürtel, eine gleichfarbige Hose und schwarze Schaftstiefel. In der Hand hält die Figur einen großen Speer. Auf den Urgole folgten im Laufe der Zeit weitere Mitglieder der Gole-Familie.
Der Alte Gole ist mit einem mittelalterlichen Waffenrock bekleidet. Er ist aus blauem Waschsamt gefertigt, nur knielang und hat kurze Ärmel. Der Gürtel sowie die Stelle unterhalb des Gürtels ist mit Filzstreifen in Grün, Gelb, Weiß und Rot mit Silberlitzen dazwischen besetzt. Aus orangefarbenem Waschsamt besteht der langärmelige Anzug unter dem Rock, der auf der Brust das Riedlinger Wappen trägt. Der Alte Gole hat einen ein Meter hohen Pappmaché-Kopf mit braunem Gesicht, schwarzen Haaren, schwarzem Bart und großen mandelförmigen Augen. Ein grün-goldfarbener Helm sitzt auf dem Kopf.
20 Jahre nach Entstehung des Alten Gole, also 1890, gestaltete man den Neuen Gole, der einen silbernen Schuppenpanzer an Armen, Beinen und Brust trägt. Unter dem Panzer ist diese Golefigur in einen roten Waffenrock gekleidet, der bis zu den Knien reicht. Der Kopf des Neuen Gole besteht ebenfalls aus Pappmaché, hat aber einen weit aufgerissenen Mund mit gefletschten Zähnen und schwarzem herunterhängendem Schnurrbart. Unter den schräg nach oben stehenden grimmigen Augenbrauen sitzen die hervorquellenden Kugelaugen. Neben dem großen Speer hält der Neue Gole einen runden Schild mit dem Riedlinger Stadtwappen in der Hand. Als getreues Abbild des Neuen Gole ist der Kleine Gole für die Kinder dieser Gruppe entstanden.
Seit Beginn der 60er Jahre hat die Golefamilie eine eigene Leibgarde: den Golebegleiter. Diese Figur trägt eine braunglasierte Holzlarve mit grimmigem Gesichtsausdruck. Die Larvenhaube ist über und über mit roten Wollboppeln besetzt. Das Häs aus hellem grobem Leinen ähnelt einer Uniform: beiger Oberkörper und beige Ärmel, schwarzer Waffenrock, rote Schulterklappen und gelbe Zierleisten. Das Riedlinger Stadtwappen prangt auf der Brust. Zur vollständigen Figur des Golebegleiters gehört auch ein unterhalb der Spitze mit Glöckchen behängter Speer.
Die Einzelfigur des Mohren kennzeichnet ebenfalls ein überdimensionaler Pappmachékopf. Der schwarz-blaue Überrock ist fast knielang. Diese Fastnachtsfigur erinnert an einen Spitznamen der Riedlinger: "Mohrenwäscher". Als zum erstenmal ein Farbiger nach Riedlingen kam, dachten die Bürger, es handle sich um einen sehr schmutzigen Menschen und versuchten, ihn im Donauwasser reinzuwaschen.
An einer Leine führt der Mohr zwei Löwen mit Köpfen aus Pappmaché. Diese sind mit hellen bartartigen Fransen besetzt. Der Pelz der dem Stadtwappen entnommenen Löwenfiguren besteht aus beigefarbenem Plüsch.
Der Riedlinger Storch wiederum besitzt einen übergroßen Storchenkörper aus festem Material. Die Arme des Trägers stecken unter großen Flügeln. An einem Stoffband führt er die beiden Frösche, die ein einteiliges Kostüm aus grüner Seide und eine Ganzmaske aus grünem Pappmaché tragen.
Da zuvor eine lustig springende Narrenfigur in der Riedlinger Fasnet fehlte, entwarf man 1931 die Figur des Boppele. Das Häs dieses Sprungnarren besteht aus Hose und hüftlangem Kittel. Beide sind aus dunkelbraunem Plüsch gefertigt. Auf den Schultern trägt der Boppele einen Goller aus hellbraunem Leder, der am Rand mit Filzstreifen in Rot, Gelb, Grün und Weiß verziert ist. Kleine und große Glocken sind auf dem Ledergoller befestigt, unter dem ein rotes Halstuch hervorschaut. Die Holzlarve des Boppele zeigt einen heiteren lachenden Gesichtsausdruck. Auf der dunkelbraunen Larvenhaube sitzen viele Wollbollen im selben Farbton. In der Hand hält der Boppele entweder eine Saubloder am Stecken oder eine Streckschere.
Neben Narrenrat, der Stadtkapelle und Trommler- und Fanfarenzug gehören auch Narrenbüttel und Doppelgesicht zum bunten Bild der Riedlinger Fasnet.

Geschichte:
Wie in vielen Ortschaften, so finden sich auch in Riedlingen erste Hinweise auf närrisches Treiben in schriftlich belegten Verboten des Maskenlaufens. Der Riedlinger Magistrat und eine Deputation der Bürgerschaft beschlossen am 6. Februar 1745, "dass niemand dise Fastnachtzeith sich masquieren noch ebenso wenig einige Spihl-Leute zu haben gestattet werden soll." Zehn Gulden Strafe standen auf Missachtung des Verbots. Wie die damalige Maskierung ausgesehen haben mag, ist leider nicht überliefert. Aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts existiert jedoch noch eine alte Holzlarve. Sie ist das einzige Exemplar der sogenannten Kupfernäs. Die Hauptfigur der Riedlinger Fastnacht, der Gole, kommt aus dem Kaplaneihaus und zeigt sich dem Narrenvolk. Der Name dieser Figur ist schon für das Jahr 1818 belegt. Verschiedene schriftliche Zeugnisse weisen auf einen Zusammenhang zwischen dem Wort Gole und Fasnetstreiben sowie Masken hin. Die eigentliche Herkunft des Wortes ist jedoch bis heute nicht eindeutig geklärt. Möglicherweise stammt es von dem Begriff "Jole" oder "Joler", also "Schreier" ab. Es könnte aber auch im Bezug zum biblischen Riesen Goliath stehen, wie die Riedlinger 1865 meinten.
Die Aufnahme der Narrenzunft Gole in die VSAN fand 1927 statt.

Die Termine der aktuellen Fastnachtsveranstaltungen können aus dem unter www.fasnacht.net ab Oktober jedes Jahres von der Vereinigung Schwäbisch- Alemannischer Narrenzünfte (VSAN) veröffentlichten Narrenfahrplan entnommen werden.

Referenzen

Zur Geschichte der organisierten Fastnacht, Hg. Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte Vöhrenbach 1999.