Georgiritt

Stein a. d.Traun

Traunstein

Bayern

Deutschland - Germany

Dieses Jahr

23.04.2022 (23.4.)

Nächstes Jahr

23.04.2023 (23.4.)

Turnus

jährlich

Festausübung

N
erloschen

Allg. Festbeschreibung

Geografie

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Ort

Stein a. d.Traun

Kreis

Traunstein

Region

Bayern

Staat

Deutschland - Germany

Beschreibung


In einer Beschreibung aus dem Jahre 1858 wird der Georgiritt folgendermaßen geschildert:
"Um 6 Uhr morgens versammeln sich nach dem Frühgottesdienst die Reiter aus allen umliegenden Dörfern, mehr als hundert an der Zahl, im Schloßhof zu Stain, jeder mit zwei Rossen; um 7 Uhr bricht der Zug auf, geführt von zwei berittenen Postillionen, sechs blasenden Trompetern und ebenso vielen Engeln, d.h. kleinen Bauernbuben in weißen Jacken mit fleischfarbenen Strümpfen und roten Schuhen, auf schneeweißen Rossen, in ihrer Mitte der heilige Georg selbst, in Gestalt eines Burschen, der sich zu diesem Zweck besonders den Schnurrbart hat wachsen lassen; sein Schimmel trägt das Sattelzeug des 17. Jahrhunderts, er selbst den Blechharnisch, den Helm mit wallenden Federn, einen roten Mantel, hohe Reiterstiefel mit Sporen, in der Linken hält er die rot- und weiß gekreuzte Fahne, in der Rechten das Schwert.
An diesem Vortrab schloß sich früher die Gutsherrschaft von Stain sammt dem Burgkaplan in Chorrock und Stola hoch zu Roß, jetzt ersetzt durch ein Mitglied des Landgerichts; darauf folgen... zwei Vorsteher der Georgibruderschaft mit großen kranzgeschmückten Kerzen und nun endlich die Reiter paarweise nach Pfarreien geordnet, vor jeder Schar ein Fähnrich."
Der Zug der Reiter reitet über Weisham zur St. Georgskirche in Weisbrunn. Von dort kommt dieser Prozession der Geistliche mit dem Allerheiligsten entgegen, begleitet vom Klerus, von den Pilgern, begleitet auch von den Männern der St. Georgsbruderschaft. Alle sind im weißen Talar bekleidet, besetzt mit einem roten Kragen, jeder hält einen Stab in der Rechten mit dem Bild des heiligen Georg.
"Darauf wendet dieser Zug von Fußgehern und macht Halt vor einer uralten Linde in der Nähe der Kirche, woselbst der Pfarrer zuerst allen Versammelten den Segen gibt und dann die Reiter, welche einer nach dem anderen im Galopp an ihm vorüberjagen, mit Weihwasser besprengt. Nach einer Predigt und einem Hochamt in der Kirche des Heiligen zecht man oder treibt man Roßhandel, da alles auf den schönen Pferden erschienen ist..."

Nachdem zu Beginn des 19. Jahrhundets im Zuge der Säkularisation nicht nur Kirchen und Klöster ausgeräumt, sondern auch Bräuche verboten und abgeschafft wurden, besinnt sich die Obrigkeit bereits drei Jahrzehnte später darauf, dass man dem Volk nicht einfach etwas nehmen kann, ohne ihm etwas Gleichwertiges anzubieten und lässt solche Bräuche wieder zu. So wurde der Georgiritt von Stein an der Traun 1833 durch ein königliches Dekret wieder eingeführt.

Referenzen

Margit Thüler [Red.]: Feste im Alpenraum : Schweiz, Österreich, Deutschland, Italien, Frankreich. S. 204.