Kuckucksholen

Mühlbach/Eppingen

Heilbronn

Baden-Württemberg

Deutschland - Germany

Dieses Jahr

07.06.2022 (Dienstag nach Pfingsten)

Nächstes Jahr

30.05.2023 (Dienstag nach Pfingsten)

Turnus

jährlich

Festausübung

N
aktuell

Allg. Festbeschreibung

Geografie

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Ort

Mühlbach/Eppingen

Kreis

Heilbronn

Region

Baden-Württemberg

Staat

Deutschland - Germany

Beschreibung


Schon am Pfingstmontag, dem ersten Kerwetag, findet der eigentliche Auftakt zum Kuckucksfeste statt. Anläßlich eines nach der Kirche auf dem Schulhof stattfindenden Platzkonzerts verkündet der Herold mit dem Trompeter an seiner Seite, der mit einem Tusch die Aufmerksamkeit der Zuhörer erheischt, die Kuckucksordnung, die vor einigen Jahren vom Heimatverein und dem Ortschaftsrat erstellt wurde. Gleichzeitig wird zum Kuckucksfest tags darauf eingeladen. Am Pfingstdienstag wird von der Mühlbacher Jugend der Kuckuck geholt. Der Auftakt erfolgt in den ersten Nachmittagsstunden des Kerwedienstags im Wald. Hier werden die Vorbereitungen an den Wagen und Pferden und bei der Zusammenstellung der historischen Personen getroffen. Auf dem pferdebespanntem Wagen befindet sich in der Mitte ein aufgerichteter junger Baum, an dessen Spitze der Vogel, der Kuckuck, heute meist durch eine tote Taube symbolisiert, hängt. Auf den vorgespannten Pferden sitzt das Pärchen, zwei junge Burschen mit verhülltem Gesicht, der eine einen Mann darstellend, mit einem Zylinder auf dem Kopf, der andere in einer Art Brautkleid mit Schleier. Der Wagen und das Paar werden von der Mehlfrau umkreist, die alles tut um dieses Symbol der Liebe bösen Blicken zu verbergen. Zu diesem Zweck führt sie einen großen Backkorb mit sich, aus dem sie Mehl und Kleie oder sonstige staubige Substanzen ausstreut, um anwesende böse Dämonen zu blenden. In unserer Zeit sind dies natürlich die umstehenden Zuschauer. Vor dieser Hauptgruppe ziehen in bunter Folge die Jäger, Metzger und Wirte einher, die zur Erlegung und zur Zubereitung des Kuckucks, bzw. des gleichnamigen Essens erforderlich waren. Die Jäger knallen mit ihren Büchsen und die Wirte verteilen fleißig Bier unter die Zugteilnehmer und die Zuschauer am Straßenrand. Ein Herold mit Signaltrompeter und der festlich gekleidete Zugführer sind neuere Attribute. Die an der Spitze aufspielende Musikkapelle hält an jeder Gastwirtschaft aus alter Tradition an, um Bier zu erspielen. Dies gibt gleichzeitig den Zugteilnehmern und den Zuschauern Gelegenheit, ein Tänzchen zu wagen. Schließlich geht es zum Kuckucksessen, das der Heimatverein mit Unterstützung anderer örtlicher Vereine organisiert. Dieses findet heute zwischen Schule und Bürgerhalle im dörflichen Zentrum statt und vereinigt Teilnehmer und Zaungäste zum fröhlichen Ausklang. Hier findet auch nach dem Umzug der Schlußakt statt. Die Musik spielt auf und die Zugteilnehmer gruppieren sich um das Pärchen und die Mehlfrau. Der Kuckuck wird in die Mitte des Geschehens getragen. Nunmehr lüftet das Pärchen unter großem Beifall die Masken, so daß jeder erkennen kann, wer eigentlich die diesjährigen Hauptdarsteller waren.

Eine Urkunde wurde bislang nicht gefunden, die die Ursprünge des Brauchs zeitlich fixieren ließe. Im Jahre 1900 wird er in der ersten Mühlbacher Ortschronik erwähnt, und Pfarrer Koelle berichtet, daß sich in den Pfarrakten manche Klage wegen zu großer Ausschreitung anläßlich dieses Tages findet. Zu dem ungewöhnlichen Kirchweihtermin an Pfingsten kam Mühlbach vermutlich durch die Verbindung mit dem Wilhelmiten-Kloster aus Marienthal bei Hagenau im Elsaß, das 1290 in Mühlbach durch die Stiftung des Ritters Heinrich von Brettach eine Zweigstelle gründen konnte. Da das Mutterkloster seine Kirchweih ebenfalls am Pfingstmontag feierte, liegt die Vermutung nahe, daß die Mönche die Kirchweih entsprechend der Gewohnheit in der elsässischen Heimat auch in Mühlbach auf diesen Termin festlegten.

Referenzen

Karl Dettling: Der Kuckucksruf. Hrsg. vom Heimat- und Verkehrsverein Mühlbach e.V. Eppingen-Mühlbach 1990.