Pfingstritt

Nusplingen

Zollernalbkreis

Baden-Württemberg

Deutschland - Germany

Dieses Jahr

28.05.2023 (Pfingstsonntag = 7. Sonntag nach Ostern), 29.05.2023 (Pfingstmontag = Montag nach Pfingstsonntag)

Nächstes Jahr

19.05.2024 (Pfingstsonntag = 7. Sonntag nach Ostern), 20.05.2024 (Pfingstmontag = Montag nach Pfingstsonntag)

Turnus

jährlich

Festausübung

N
aktuell

Allg. Festbeschreibung

Geografie

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Ort

Nusplingen

Kreis

Zollernalbkreis

Region

Baden-Württemberg

Staat

Deutschland - Germany

Beschreibung


Vor dem Pfingsttag versammeln sich die 14-16jährigen Buben in einem bestimmten Haus und beratschlagen wegen des Pfingstrittes. Die Rollen werden ausgeteilt, allerdings fällt es schwer, einen "Pfingstbutzen" zu bekommen, da keiner diese Rolle übernehmen will. Sind die Rollen erst einmal definitiv verteilt, dann kostet der Rücktritt sechs Batzen Strafe. Die Mitspielenden kleiden sich in ihre Festkleider und die meisten sind mit preußischen Hüten und Festsäbeln versehen; die Pferde mit Sätteln. Am Pfingstmontag findet der Ritt statt. Unter der Vesper geschieht der Ausritt. Alle versammeln sich außerhalb des Ortes. Ist die Vesper aus, so eröffnet der Platzmeister den Zug; er reitet etwa zwei Minuten voraus und erscheint auch als erster auf dem Platz, wo Halt gemacht wird. Zuerst geht es vor den Pfarrhof, da sagt der Platzmeister: "Grüß Gott, Herr Pfarrer und sein ganzes Hausgesind!", danach zum Schultheißen und den anderen angesehenen Bürgern des Ortes, begleitete von Groß und Klein, Jung und Alt.
Der Pfingstbutz ist mit Stroh eingehüllt und steht unter der Obhut des Quartiermeisters. Man macht von Seiten älterer, lediger Burschen verschiedene Anstrengungen, um ihn zu erwischen. Gelingt dies, so wird er ins Wasser geworfen. Zur Abwehr dürfen er und der Platzmeister alles Mögliche tun, z.B. Schläge austeilen. Ist der Ritt vorüber, so werden die Pferde den Eigentümern wieder zugestellt. Danach begibt sich die ganze Schar zu Fuß in die Häuser, wo die Sprüche hergesagt werden. Dafür erhalten sie Geld, oft zusammen etwa sechs Gulden und darüber, Fleisch, Eier, Schmalz etc. Mit diesen Gaben begeben sie sich in ein Wirtshaus des Ortes. Das Geld wird vertrunken, die Viktualien aber werden von der Wirtin zu einem vollständigen Essen zubereitet, das alle Teilnehmer nicht nur reichlich sättigt, sondern sogar für die Mühe der Wirtin einiges übrig lässt.
Danach folgen nun die Sprüche der einzelnen Reiter mit der Ergänzung, dass der "Schneeweiß Gemahl" vom Kopf bis zu den Füßen "weiß" gekleidet ist. Der Maienführer hat eine Maien, d.h. eine kleine, verzierte Tanne in seiner rechten Hand, der Fähnrich hingegen eine Fahne.

Platzmeister:
Ab Platz, ab Platz mit Weib und Kind,
Der Kaiser kommt mit seinem ganzen Regiment!
Den Platz, den Platz will rommen,
Es werden gleich mehrere Herren und Gesellen nach mir kommen;
Sie werden kommen, sie werden da sein,
Sie reiten in den Hof herein.
(Zum Quartiermeister sprechend:) Woher, woher jagt dich der Wind,
Dass deine Stiefel und Sporn so staubig sind?

Quartiermacher:
Ab alle meine Wiesen und Äcker,
Was geht's dich an, du junger Lecker!
Ich reit heraus aus Sachsen,
Wo die schönen Mädchen auf den Bäumen droben wachsen.
So hätt' ich auch ein paar Dutzend an mein Pferd gehenkt.

Platzmeister:
So, so Kamerad, du hast dir recht getan,
Dass du das Ding hast unterwegen gelassen,
Sonst könnt ein jeder Ross- und Stierbua
Eine schöne Jungfer in's Wirtshaus abfassen.
Hoch an seine Landstand gut, ein Requiesstiefel. (?)
Ein wenig zu losentoren, ein wenig zu hören,
So wollens wir doch Gott bitten,
Dass wir sind auf diesen Platz hereingeritten.
Der Anfang wird gemacht durch einen Platzmeister und Gesellen,
Allhier, allhier, all folge mir.

Franziskus der römische Kaiser:
Franziskus der römische Kaiserbin ich genannt,
das Schwert führ ich in meiner rechten Hand,
Zu regieren das römische Reich,
viele andre Städt und Dörfer zugleich.
Regiment war die schönste Stadt,
Die ich unter meiner Gewalt gehabt,
Krieg und Schweiß und anders zugleich
gehört immer zu meinem Reich.
es hat den Franzosen genug verdrossen
Dass er hat so viel Pulver und Blei umsonst verschossen.
Er wird uns bitten, und durch das Beten wird es gehen,
So hat der Franzos sich vorzusehen.

Ludwig XIV, König von Frankreich:
Ludwigus der XIV., König von Frankreich
der die Macht und Gewalt hat, ist keinem zugleich,
Obschon noch mehrere Herren über mich sein,
So bin ich doch der König allein,
der alles kann mit Geld verzwingen
Bei dem nicht viel Waffen klingen;
Schöne Taler hab ich gar zu viel,
Mit denen ich's schon kriegen will.
Spanien habens wir gewonnen,
Altenbreisach eingenommen,
Viele andere Städte und Dörfer desgleichen,
Die vom Kaiser haben müssen abweichen.

Maienführer:
Maien-, Maienführer bin ich genannt,
Den Maien führ' ich in meiner rechten Hand,
Wenn der Maien fällt, so reit ich, dass der Boden schnellt,
Wenn der Maien wieder aufersteht,
So will ich mit meinen Kameraden in's Wirtshaus gehen;
Dem Wirt bin ich gar wohl bekannt,
Er bringt mir eine Bratwurst in der Hand,
und ein Glas kühler Wein,
So wollen wir Pfingstreiter heut Nachmittag recht lustig sein.
Viva, heißa! rund ist mein Hut,
Frisch ist mein Blut,
Katzendreck hont alle Mädle zum Heiratgut,
Die's nit glaubt, die ist ein alte Bozenhur,
Bozenhur därf ich ihme Jeden it sagen,
Es könnt Einer do stehen, könnt me unter d' Gaul unterschlagen.

Fähnrich:
Fähndri, Fähndri aus dem Chor,
Bei den Russen hab ich meinen Eid geschworen,
Die Fahne wurde mir geben in die Hand,
Er weht für unser ganzes Vaterland.
Diese Fahne wird ich nicht von Handen geben,
Und kost' es mich mein junges Leben.

Der türkische Kaiser:
Und ich als türkischer Kaiser komm auch auf diesen Platz
Mit meiner ganzen Türkenmacht
Die Russen gänzlich zu vertreiben,
Es soll kein Stein mehr auf dem andern bleiben.

Die russische Kaiserin:
Ach, du türkischer Sultan,
Für mich bist du lange nit Mann,
Bist du größer in der Macht,
So bin ich doch größer in der Tat.

Sultan:
Auf, auf ihr mein General und Hauptleut,
Macht euch fertig und bereit,
Wir müssen wieder in den Streit,
Die Russen wiederum zu agieren,
Mit denselben eine neue Hauptschlacht führen;
Hauptmann geh' ins Lager nein, sag's meinen Soldaten an, Soll ein Jeder fechten so gut er kann.

Kaiserin:
Ach, du türkischer Kaiser,
Ich werde noch nicht abweichen,
ich habe schon vor vielen Jahren
Noch wenig von deiner Macht erfahren.
Auch tu' ich schon sieben Jahr mit dir kämpfen und streiten,
Aber nein, aber nein, dir tu' ich nicht abweichen.

Kaiserin zum General:
General, General ich sag' es dir,
Dass du getreulich dienest mir, dass du mit mir wollst ziehen in das Feld,
Mit den Türken wollens wir kriegen,
Mit denselben eine neue Hauptschlacht führen.

General der Kaiserin:
Auf, auf! ihr General und Hauptleut,
Macht euch fertig und bereit,
Wir müssen wieder zu dem Streit,
Um die Türken zu agiren,
Mit denselben eine neue Hauptschlacht führen.
Hauptmann geh' ins Lager nein,
Sag's meinen Soldaten an,
So jeder fechten so gut er kann.

Korporal:
Ich bin der Korporal,
Mich kennt man überall.
komm ich zum Bauern in's Quartier,
So heißt's gleich, schafft mit Wein und Bier,
Gib mir das Beste, was du hast im Haus,
oder ich ja dich zur Tür hinaus.
So bin ich allein Herr im Haus.

Schneeweißer Gemahl:
Schneeweißer Gemahl bin ich genannt,
Ich reit herum im ganzen Land,
Arbeiten mag ich gar nicht viel,
ich brauch kein Rechen und kein Stiel,
Brauch keine Gabel zum Herumkehren,
Kann mein Glas Wein in der Hand umleeren.
Viva, heißa, rund ist mein Hut,
Frisch ist mein Blut,
Katzendreck hont die Mädle zum Heiratgut.
Die's it glaubt, ist ein alte Bozenhur;
Bozenhur därf ich einem Jeden nit sagen,
Könnt Diner do stehen und könnt mich unter den Gaul nunter schlagen.

Koch:
Koch, Koch bin ich genannt,
Ich kann kochen, 's ist an Schand, Ich hab' meine Herren wol einladen,
D' Katz ist kommen, hot mer mein Fleisch fortgetragen,
ich bin in Wald nein gangen,
Hann 300 Spizmäus g'fangen,
Hann's in Hafen g'steckt,
Sie hont mir und meine Herren wohl geschmeckt.

Pfingstbutz:
Jetzt bin ich au erst no do,
Mit meinem feuerroten Haar,
Heut den Morgen bin ich schau früh aufg'standen,
bin um halbe sechse schau vor der Bettlad' g'standen,
Hau geloset, ob ma no it reit oder fahr,
Dass ich nit der Letzte war.
Der Letzte bin ich wora,
's hot mich verflucht und vermaledeit g'schora.
jetzt ihr Leut gebet mit ebes raus,
Dass ich komm in ein anders Haus.

Referenzen

Anton Birlinger: Volkstümliches aus Schwaben. Sitten und Gebräuche. Freiburg 1862. S. 143-150.