Pfingstritt

Bettringen/Schwäbisch Gmünd

Ostalbkreis

Baden-Württemberg

Deutschland - Germany

Dieses Jahr

05.06.2022 (Pfingstsonntag = 7. Sonntag nach Ostern), 06.06.2022 (Pfingstmontag = Montag nach Pfingstsonntag)

Nächstes Jahr

28.05.2023 (Pfingstsonntag = 7. Sonntag nach Ostern), 29.05.2023 (Pfingstmontag = Montag nach Pfingstsonntag)

Turnus

jährlich

Festausübung

N
erloschen

Allg. Festbeschreibung

Geografie

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Ort

Bettringen/Schwäbisch Gmünd

Kreis

Ostalbkreis

Region

Baden-Württemberg

Staat

Deutschland - Germany

Beschreibung


Lange vor dem Pfingstritt versammelte sich die Jugend in einem bestimmten Haus, wo dann ausgemacht wurde, wer mitspielt. Es wurden die Rollen verteilt und gleichzeitig bestimmt, welches Mädchen jeder Einzelne nach dem vollendeten Umzug ins Wirtshaus abholen müsse. Der Pfingstritt selbst fand am Montag nach Pfingsten am Nachmittag statt. Die Teilnehmer waren schon aus der Werktagschule entlassene Knaben, die jedoch noch keine Gesellen waren, d.h. sie durften sich nach der Betglocke noch nicht auf der Straße sehen lassen und noch nicht rauchen.
Die Pfingstreiter hatten um ihren Kopf einen Kranz aus Schmalzblumen; derselbe war aber so mit gelben Blumen überfüllt, dass das Haupt beinahe ganz bedeckt war. Jeder hatte über seine Kleidung ein weißes Hemd geworfen und um die Lenden einen Gürtel. Des Pfingstreiters Roß musste schön und wohl genährt sein; es war aufgeschwänzt und der Kopf mit gelben Blumen verziert. Der Zaum war blank geputzt. Ein Sattel zum Reiten wurde nicht benutzt. Der des Reitens Unkundige machte sich lange Zeit vorher mit dem Pferd und dem Reiten bekannt, da er hierzu jeden Abend Gelegenheit hatte. Das Verzieren des Pferdes und des Reiters übernahm das Mädchen, welches von ihm ins Wirtshaus abgeholt wurde. Dass hier jedes die Erste sein wollte, verstand sich von selbst, und manchmal wurde bei dieser Gelegenheit nicht selten der Grund zu einer späteren Bekanntschaft gelegt. Der Pfingstlümmel zeichnete sich vor allen anderen durch hervorragende Verzierung und Korpulenz aus. Der Fähnrich hatte einen Maien in der Hand und einen Säbel an der Seite; er musste der erste Reiter sein.
Zur bestimmten Stunde versammelten sich alle vor dem Wirtshaus auf dem Hofraume. Alsdann setzte sich der Zug in Bewegung und stellte sich allererst vor dem Pfarrhaus auf, danach beim Schultheiß und bei anderen angesehenen Personen. Jedesmal wurden alle nachfolgend verzeichneten Sprüche gesprochen, wo jeder den anderen durch lauten und deutlichen Vortrag zu übertreffen suchte. War man so im ganzen Dorf herumgegangen, begleitet von der Schuljugend, so ging's wieder zum Wirtshaus, wo zuletzt gesprochen wurde. Die Gäule wurden ihren entsprechenden Eigentümern zugeritten.
Drei oder vier der Pfingstbuben waren bestimmt, die Gaben bei den Einzelnen einzusammeln, welche aus Geld, Mehl, Schmalz und geräuchertem Schweinefleisch bestanden. Solches geschah stets zu Fuß nach dem Umritt. Nachher kamen nun alle mit ihren Mädchen in dem Wirtshaus zusammen. Vor allem wurde das gesammelte Geld gezählt und das Übrige gemustert. Die Viktualien wanderten in die Küche der Wirtin, die sofort alles umsonst kochte. Der um Gmünd herum übliche "Schollenbrei" durfte nicht fehlen. Das Geld wurde vertrunken. In der Regel gab alles zusammen eine ordentliche Mahlzeit und einen ganz lustigen Abend. Die Schuljugend machte den Zuschauer. Bisweilen stellte sich auch ein Musikant mit einem sogenannten "Schafsfuß", einer Maultrommel, ein, und dann wurde es für die Jugend erst lustig. Mit dem ersten Schlag der Betglocke musste alles auseinander und heimgehen.

Referenzen

Anton Birlinger: Volkstümliches aus Schwaben. Sitten und Gebräuche, Freiburg 1862, S.151-156.