La Ducasse

Ath

Hennegau

Hennegau

Belgie / Belgique - Belgium

Dieses Jahr

28.08.2022 (lzt.Sonntag im August)

Nächstes Jahr

27.08.2023 (lzt.Sonntag im August)

Turnus

jährlich

Festausübung

N
aktuell

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Geografie

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Ort

Ath

Kreis

Hennegau

Region

Hennegau

Staat

Belgie / Belgique - Belgium

Beschreibung


Dieses Ereignis findet jedes Jahr am letzten Sonntag des Monats August in Ath in der Provinz Hennegau (Hainaut) in Belgien statt. Im Mittelpunkt stehen dabei mehrere Riesenfiguren, die sich teils aus biblischer Überlieferung und teils aus der Geschichte Belgiens entwickelt haben. Die Anfänge des Brauchspiels liegen im 14. Jahrhundert. Im Laufe der Jahrhunderte wurde aus einem religiösen Fest das weltliche Spektakel von heute.

Ablauf:
Das kommunale Fest "La Ducasse" erstreckt sich über drei Tage. Am Freitag wird es mit der Verbrennung der Hosen des biblischen Riesen Goliath eingeläutet. Dieses Brauchelement wurde jedoch erst 1987 eingeführt. Am Samstag werden Herr und Frau Goliath verheiratet. Nach der Hochzeitszeremonie ("vêpres gouyasse") versammeln sich die Menschen vor dem Rathaus zur Verkostung der "tarte gouyasse", einer Art Maronenkuchen, und zur Darstellung des Kampfes David gegen Goliath. In einem Rededuell wird der biblische Kampf nachempfunden. Der Dialog des Duells entstand im 17. Jahrhundert. Außerdem wird symbolisch ein Geschoss ins Visier des Riesen geschleudert, das durch einen kleinen Gewandausschnitt angedeutet wird. Am Sonntag werden dann offiziell alle Riesen, das Paar Goliath, das Pferd Bayard, Mademoiselle Victoire, Ambiorix und Samson aus ihren Unterkünften herausgeholt und gefeiert. Das Zeremoniell findet immer am gleichen Schauplatz und zum Klang der immer gleichen Melodie statt. Am letzten Festtag drehen sich und tanzen die Riesenfiguren zum Vergnügen der Bürger.

Geschichte:
Das Fest hat eine lange Tradition, wobei es zunächst mehr religiös, später mehr weltlich geprägt war. Zum ersten Mal wird "La Ducasse" 1399 als religiöse Prozession in den Dokumenten der Stadt erwähnt. Auch damals schon fand die Prozession am letzten Sonntag im August statt, also nahe am Fest des Schutzpatrons Saint Julien de Brioude am 28. August. Am Ende des 15. Jahrhunderts tauchten die ersten Riesenfiguren auf. Vor allem die Kirchen förderten solche Figuren, wie den heiligen St. Christoph oder eben Goliath, die der Laienkatechese dienen sollten. Während der Prozession wurde die biblische Geschichte von David und Goliath auf einer Art Bühne nachgespielt. Außerdem begünstigten populäre mittelalterliche Legenden wie beispielsweise das Lied über Renaud de Montauban die Schaffung bräuchlicher Riesenfiguren. Dieses in Frankreich und Belgien bekannte Lied handelt von den vier Söhnen des Aymans, nämlich Renaud, Allard, Guichard und Richard. Sie geraten in Missgunst, da Renaud den Neffen des Karls des Großen ermordet. Jedoch können sie der Rache des Charlemagne entfliehen, weil ihnen ein Zauberer und sein wunderbares Pferd helfen. Die Legende über dieses Pferd wurde in der Riesenfigur Cheval Bayard verewigt, womit die religiöse Prozession des Mittelalters erste weltliche Elemente erhielt.

Wegen mehrerer kriegerischer Auseinandersetzungen zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert kam es zu vielen Unterbrechungen des Brauchs der Prozession. Zu dieser Zeit wuchs auch der weltliche Einfluss der Stadtoberhäupter auf die Organisation der Prozession. Sie wurde dadurch mit immer mehr nichtreligiösen Bestandteilen versehen. Nachdem 1715 für Goliath eine Frau erschaffen wurde, entfernte sich dessen Darstellung immer mehr vom biblischen Drama.

Seit 1749 wurden die Riesen von weiteren Figuren wie den Steckenpferdereitern begleitet. Die Anzahl der Begleitfiguren stieg ständig. Die heute im Zug der Riesen noch vorhandene Gestalt, Madame Victoire, wurde als Allegorie für die Eroberung der Städte Condé und Valenzia durch die Österreicher, erschaffen. In der Zeit nach der Französischen Revolution kam es zur Abschaffung der Riesen wegen ihres religiösen Hintergrunds und der damit verbunden Symbolhaftigkeit für das "Ancien Regime". Doch am Anfang des 19. Jahrhunderts wurden die Riesenfiguren wiederbelebt, wenngleich durch den in Frankreich vorrückenden Laizismus stark profaniert. Einige religiöse Elemente aber blieben im Zug der Riesen dennoch erhalten. Ferner sind auch lokale und nationale historische Ereignisse in den Zug aufgenommen worden, die meist auf Karnevalswagen dargestellt wurden und werden. Im Mittelpunkt der Festlichkeit steht heute das Riesenpaar Herr und Frau Goliath. Auch das 500-jährige Jubiläum von Goliath, das 1981 gefeiert wurde, verlieh "La Ducasse" neuen Glanz und weckte gesteigertes Interesse in der Bevölkerung von Ath.


Auch in den belgischen Städten Brüssel, Dendermonde, Mechelen und Mons sowie in Frankreich in Cassel, Douai, Pézenas und Tarascon finden ähnliche Feste statt.

Das Fest wurden 2008 in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit (Intangible Cultural Heritage of Humanity) aufgenommen.

Referenzen

https://ich.unesco.org/en/RL/processional-giants-and-dragons-in-belgium-and-france-00153