Palmesel

Landshut

Landshut

Bayern

Deutschland - Germany

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10.04.2022 (6 Fastensonntag = Palmsonntag)

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Geografie

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Ort

Landshut

Kreis

Landshut

Region

Bayern

Staat

Deutschland - Germany

Beschreibung


Über den Umzug des Palmesels von St. Martin in Landshut unterrichte uns anschaulich der Landshuter Stadtprokurator Franz Sebastian Meidinger in seiner 1805 erschienenen Beschreibung der damaligen Haupt- und Universitätsstadt. Sein Bericht ist im genauen Wortlaut wiedergegeben:

"Der Palmesel hatte bis auf mehrere Jahre zurück, eigentlich die Mesner und Kirchendiener in jeder Pfarrei, eine nicht kleine Rolle unter dem Namen dieses guten alten Herkommens zu spielen. Jeder vernünftige Mensch, dem die Religionsgründe bewußt waren, sah nichts anderes als ärgerliches Wesen. An den meisten Orten wurde schon am Vorabend des Palmsonntags Christus der Herr reitend auf der Eselin, aus jeder Pfarrkirche mit dem Schlage 12 Uhr gebracht und Kinder mit dem Schnuller in dem Munde, rück- und vorwärts dem mit sanfter Anmut gebildeten Heiland aufgesetzt, und andere auf die bereitete Brücke gebracht. Hier in Landshut zogen ihn die Ministranten, und sie durchwanderten unter dem unharmonischen Mißklang: Pueri Haeprearum alle Gassen und Straßen der Stadt, Mesner und Kirchendiener besorgten das Ab- und Aufsteigen der kleinen Passagiere, wo für eine Station von 40 bis 50 Schritten schon wieder bezahlt werden mußte, und so ging es am Vorabend, wie am Sonntag selbsten, in einem Tritt fort.
Christus der Herr wurde mit Sträußen und Blumen geziert und dann von den Bäckerfrauen mit den besten und schmackhaftesten Eierkränzen so dicht behängt, daß man wegen Menge dieser Anhängsel, Mädchen und Knaben vor- und rückwärts beladen, den Heiland kaum mehr ansichtig werden konnte.
Gleichwie nun noch keine Reise oder Caravanne unternommen wurde, wo nicht die Arbeiter Erfrischungen unterwegs zu sich nahmen, so war es bei diesem heiligen Zuge umso weniger zu vermuten, als die Bräuers- und Wirtsleute schon mit Kannen Bier dem Palmesel-Konvoi entgegengingen und Erfrischungen darboten; daher es noch alle Jahre geschah, daß außer dem Heiland und Esel, niemand anderer nüchtern zurückkam."

Referenzen

Max Peinkofer: Von niederbayerischen Palmeseln. In: Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde 1950. S. 79-85, Abb. S. 127-131.