Fastnacht

Ehingen

Alb-Donau

Baden-Württemberg

Deutschland - Germany

Dieses Jahr

16.02.2023 (Donnerstag vor der Fastnacht = Weiberfastnacht)

Nächstes Jahr

08.02.2024 (Donnerstag vor der Fastnacht = Weiberfastnacht)

Turnus

jährlich

Festausübung

N
aktuell

Allg. Festbeschreibung

Geografie

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Ort

Ehingen

Kreis

Alb-Donau

Region

Baden-Württemberg

Staat

Deutschland - Germany

Beschreibung


Beim Fasnetausrufen am "Glompigen Donnschtig" wiederholt sich alljährlich in heiterer Form die Muckenspritzerepisode von 1859. Danach zieht das Narrenvolk zum Groggensee, um ein Sinnbild des Winters herauszufischen, den Groggentäler.

Maskenfiguren:
Älteste Fasnetsfigur in Ehingen ist, wie könnte es anders sein, der Muckespritzer mit Geburtsjahr 1904. Die Narrenzunft selbst geht auf das Jahr 1874 zurück. Damals hat man eine Muckenspritzer-Gruppe auf einem Wagen im Fasnetsumzug mitgeführt. Später wurden die Figuren beweglich gemacht, und seit 1948 hat die Ehinger Narretei ihren Spritzenmuck und seine ihn unterstützenden Muckenspritzer. Sie stecken in einer alten Feuerwehruniform mit weißen Hosen und roten Kitteln, die zweireihig mit Knöpfen besetzt ist und von einem schwarzen Gürtel umschlungen wird. Die Holzlarve zeigt ein leicht überdimensioniertes knollennasiges Männergesicht mit prächtigem Schnurrbart und starken Augenbrauen, darüber sitzt ein alter Feuerwehrhelm aus Messing mit einem weißen Helmbusch. In der Hand hält der Spritzenmuck eine Spritze samt Wasserschlauch.
Die Fastnachtsfigur Kügele ist 1961 entstanden. Ehingen nennt man in der Fasnet Kügeleshausen, und der Narrenruf lautet "Kügele hoi". Das bezieht sich auf die kleinen Knödel, die hier "Kügele" genannt werden. Die Fastnachtsfigur "Kügele" steckt in einem einteiligen weißen Anzug mit bunten Wollbollen, der mit hölzernen Kügele besetzt ist. Sie trägt weiße Handschuhe, eine gelbe Schürze sowie einen gelben schulterbreiten Kragen, auf den kleine Schellen genäht sind. Eine Verkleidung, die besonders gerne Mädchen und Frauen tragen, die ihr Gesicht hinter einer Glattlarve verbergen.
Eine Zweiergestalt begegnet einem im Ehinger Krettaweib. Sie macht vor, dass die Frauen auf ihrem Rücken Männer daherschleppen, die vergnügt aus einem Rückentragekorb herausschauen, dem Kretta. Die früher weit verbreitete Figur wurde in der Donaustadt 1924 populär gemacht. Der Zuschauer hat den Eindruck, dass der Mann seine Arme in aller Ruhe auf den Korbrand legt, und dass seine Frau, die ihn vermeintlich mühsam trägt, mit einem Reisigbesen "geschlagen" wird. Doch: Oberkörper und Kopf der Frau sind lediglich als Attrappe am Bauch des Darstellers vorgebaut. Diese angebliche Zweiergestalt trägt Männerweste und Frauenrock.
Eine weitere Fasnetgestalt ist das sogenannte Wilde Weib. Es trägt Stiefeletten, grünweiße Ringelstrümpfe, einen braunen Rock mit sandfarbener Schürze, darüber die grüne Bluse. Die Hände in Wollhandschuhen halten einen zünftigen Hexenbesen. Die Holzmaske besitzt einen höhnisch grinsenden, schadenfrohen Ausdruck mit auffallenden Backenknochen, im übrigen ist auch der mittelgescheitelte Haaransatz geschnitzt. Die Larvenhaube besteht aus einem wollenen Tuch mit Schottenkaros und Fransen.
Zur Begleitung des Groggentälers dienen die Dämonen mit grobem Gesicht, dicker Nase und gefletschten Zähnen, über den Augenbrauen und der Stirn tragen sie spitze Hörner. Die weit herunterhängende dunkle Maskenhaube steht im Kontrast zum langen, hellen Bastbart. Bluse und Hosen sind knallrot, schwarz die Handtasche. Ein Lederriemen um die Hüfte, Fuchsschwanz und Kuhglocken vervollständigen die urige Verkleidung der Dämonen.
Zur Ehinger Fasnet gehört weiter der Pfannamate, ein Pfannenflicker und Alteisensammler mit Namen Martin oder mundartlich "Mate". Diese originelle Fasnetfigur ist in den Ehinger Straßen ständig von Kindern umlagert, die laut ihren Namen rufen und zum Dank mit Bonbons oder Kügele beschenkt werden. Im Gefolge des Pfannamate befindet sich eine Sammlerkapelle, die auf teils selbstgebastelten Instrumenten zu allen Fasnetereignissen aufspielt.

Geschichte:
Zur Fastnacht gehört seit jeher die Musik, in Ehingen besitzt die Fasnet mit dem "Muckespritzerlied" gar eine eigene Nationalhymne. Gewidmet ist das Lied einem Schwabenstreich, der sich vor rund 140 Jahren zugetragen hat, genau am 27. August 1859 morgens um 8.30 Uhr. Feueralarm wurde in der Stadt gegeben, weil der Turm der Unterkirche brenne. Doch: Kein Feuer war ausgebrochen, sondern einzig ein riesiger Mückenschwarm hatte sich dort gesammelt; die Fasnet jedoch konnte somit von da an eine vorzügliche Narretei vorweisen. Eine Fasnet zumal, die sehr alt und seit dem späten Mittelalter dokumentiert ist.
Interessant ist auch ein Hinweis aus dem Jahr 1709, wo in der Schulordnung des Ehinger Collegiums vermerkt wurde, dass die Zeit vom "Klumpigen Donnerstag bis Aschermittwoch" als Faschingszeit zu den angeordneten Haupt- und Nebenferien gehöre. Damals war Ehingen noch vorderösterreichisch, nach 1800 wurde es württembergisch. Die Aufnahme der Narrenzunft Spritzenmuck in die VSAN war im Jahr 1934.

Die Termine der aktuellen Fastnachtsveranstaltungen können aus dem unter www.fasnacht.net ab Oktober jedes Jahres von der Vereinigung Schwäbisch- Alemannischer Narrenzünfte (VSAN) veröffentlichten Narrenfahrplan entnommen werden.

Referenzen

Zur Geschichte der organisierten Fastnacht, Hg. Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte Vöhrenbach 1999.