Schürwecken

Ertingen

Biberach a. d. Riß

Baden-Württemberg

Deutschland - Germany

Dieses Jahr

10.02.2022 (Donnerstag vor Septuagesima = 3. Do. vor Fastnacht), 17.02.2022 (Donnerstag vor Sexagesima = 2. Do. vor Fastnacht), 24.02.2022 (Donnerstag vor der Fastnacht = Weiberfastnacht), 02.03.2022 (Aschermittwoch = Fastenbeginn)

Nächstes Jahr

02.02.2023 (Donnerstag vor Septuagesima = 3. Do. vor Fastnacht), 09.02.2023 (Donnerstag vor Sexagesima = 2. Do. vor Fastnacht), 16.02.2023 (Donnerstag vor der Fastnacht = Weiberfastnacht), 22.02.2023 (Aschermittwoch = Fastenbeginn)

Turnus

jährlich

Festausübung

N
erloschen

Allg. Festbeschreibung

Geografie

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Ort

Ertingen

Kreis

Biberach a. d. Riß

Region

Baden-Württemberg

Staat

Deutschland - Germany

Beschreibung

Die drei aufeinanderfolgenden Donnerstage vor Fastnacht nannte man „Gabeln“. Der erste hieß „die erste Gabel“ usw.

Ablauf:
An den Gabelabenden wurde in den Häusern gezecht, wo die Kameradschaften („Banden“) der ledigen und verheirateten Männer zusammenkamen. Diese Zechgelage nannte man „Schürwecken“, weil die Hexen mit ihren Schürgabeln zum Feuerschüren zusammenkamen, und an der Fastnacht selbst zogen diejenigen als Hexen im Dorf herum, welche beim Schürwecken waren. Anderswo nannte man diesen Schmaus „Schiedwecken“ (Riedlingen), was soviel wie „Abschiedstrunk“ bedeutete.
Zum Schürwecken brachte man gebettelte und gestohlene Eier und Schmalz zusammen, um einen Pfannenkuchen daraus zu backen.

Maskenfiguren:
Die Fastnachtsnarren hießen in Ertingen schlechtweg „Hexen“, und kleideten und gebärdeten sich , wie man sich in Ertingen Hexen in ihrem Treiben vorstellt. Die Jungen zogen weibliche, alte Kleider an, mit Ausnahme des „Bocksreiters“, der eine phantastische Grenadiertracht besaß und den Hexenzug anführte. Die Hexe hatte auf dem Kopf eine Rab- oder Pompadushaube, einen Schienhut oder eine Nudelhaube, schwarzen Rock, blauen Schurz und blauen Wamms. Das Gesicht war mit einem Tuch verhüllt. Die Hexen ritten auf einer Kuzengabel (= Schürofengabel), auf Besen oder trugen Pfannen mit Schmalz umher, um die Vorübergehenden anzurufen. Alle anderen, die keine Pfannen hatten, trugen große Geißeln, mit denen sie aus Leibeskräften „schnellten“ (knallten).
Truppweise rannten diese Hexen unter schrecklichem Geheule im Dorf herum und belästigten jedermann.

Aschermittwoch:
Am Aschermittwoch wurde die Fastnacht in Gestalt einer alten Frau begraben, zu welcher Feierlichkeit in den benachbarten Ortschaften geladen wurde. Am Morgen liefen eine Menge Hexen unter entsetzlichem Geheule und Jammern umher, um die Fastnacht zu suchen, bis sie dieselbe irgendwo liegen fanden. Dann wurde ein großes Klagegeheul erhoben, wo die Manieren der Weiber verhöhnt wurden. Am Nachmittag wurde die Fastnacht feierlich in einer Mistgrube begraben, nachdem sie von einem langen Leichenzug auf einer Mistbärre im Dorf umhergetragen worden war. Die Fahnen wurden aus Schürzen, die an Besen geheftet waren, gemacht, und die Übrigen trugen Haken und Schaufeln. Zum Leid trugen die Leidleute weiße Schürzen, ein Witzbold machte den Pfarrer und hielt in Reimen eine Leichenpredigt, bei der sich das Publikum halb tot lachte, während die Leidleute nach der Größe des Gelächters heulten. Endlich wurde die Hexe Fastnacht „verlochert“.
An der Fastnacht war man in jedem Haus die „Fahsnethenn“, welche der Pfarrer vordem bezog, und wie der Ammann von Ertingen eine solche von der Äbtissin von Heiligkreuztal alle Fastnacht verehrt bekam.

Referenzen

Anton Birlinger: Volksthümliches aus Schwaben, Sitten und Gebräuche, Freiburg 1862, S. 43-45.